Jean-Noël Rey

logo ps

accueil > news > Mini-Blockheizkraftwerk

NEWS - AGENDA

In jedes Schulhaus ein Mini-Blockheizkraftwerk

In der Handelszeitung konnte man kürzlich lesen, wie der CEO der Axpo-Holding, Heinz Karrer, vor gravierenden Stromengpässen warnte. Im Jahr 2020 würden in der Schweiz Produktionskapazitäten in der Grössenordnung von 10 bis 20 Prozent fehlen, behauptet er. Die Axpo will neue Grosskraftwerke bauen. Karrer macht seit Monaten Druck für den Bau klimaschädlicher Gaskombikraftwerke und für neue Atommeiler. Wer mit einer Stromlücke argumentiert, will überholte Energie-Strukturen zementieren und das Relikt Selbstversorgung aufrechterhalten.

Karrer müsste eigentlich wissen, dass die Zeiten des Plans Wahlen (Landwirtschaftliche Selbstversorgung während des 2. Weltkrieges) und auch die Ära des kalten Krieges Vergangenheit sind. Europa ist zusammengewachsen. Die Schweiz muss sich im europäischen Strommarkt positionieren und dort das Maximum herausholen.

Früher deckten sich die Schweizer Stromunternehmen in Frankreich langfristig mit billigem Atomstrom ein. Heute sollten diese Unternehmen mit Hochdruck in erneuerbare Energien investieren - auch im Ausland. Wieso nicht in Solarfarmen in Spanien und in Windparks in Deutschland Mittel einschiessen? In der Schweiz sollten sie sich hingegen am Aufbau einer einheimischen Wirtschaft für Komponenten und Anlagen der erneuerbaren Energien mitbeteiligen. Ich denke aber auch an Investitionen in mehr Energieeffizienz und in ein leistungsfähiges Leitungsnetz.

250 000 Kilometer Stromleitungen sichern heute die Versorgung der Schweiz mit elektrischer Energie. Die Axpo allein betreibt 40 Prozent des Höchstspannungsnetzes, das sind die Stromautobahnen. Die Stromverluste pro 100 Kilometer Leitung betragen gegen 6 Prozent. Wir könnten ein oder zwei Atomkraftwerke abstellen, wenn wir den Strom mit weniger Verlusten zu den Leuten transportieren. Oder wenn man die grossen Stromkunden näher an die Stromproduktion bringt.
Energieintensive Unternehmen wie die Alusuisse haben sich damals im Wallis niedergelassen, weil sie möglichst nahe an der „Stromquelle“ sein wollten. In Indien sind viele Unternehmen energetische Selbstversorger, weil ein flächendeckendes Leitungsnetz für den Energie-Transport fehlt. Natürlich können wir die Schweiz und Indien nicht miteinander vergleichen. Wir könnten aber viel Energie sparen, wenn wir grosse öffentliche Gebäude auf Selbstversorgung umstellen. Wieso rüstet der Kanton Wallis nicht innerhalb von 10 Jahren alle Schulhäuser und Verwaltungsgebäude mit Mini-Blockheizkraftwerken aus. Solche Anlagen produzieren Strom und Wärme und laufen mit Siedlungsabfällen, Holz, Pflanzenöl oder Biogas. Überschüssige Energie könnte man ins Stromnetz einspeisen und Geld verdienen dabei.

Der wirtschaftliche Nutzen pro eingesetzte Kilowattstunde muss in den kommenden Jahren auf jeden Fall um den Faktor vier bis fünf gesteigert werden - wegen dem Klimawandel und der Ressourcenverknappung. Wir können dieses Ziel aber ohne Einbussen an unserem Lebensstandard erreichen, indem wir zum Beispiel die Verluste bei der Umwandlung von Primärenergie zu Nutzenergie reduzieren und die Effizienz erhöhen. Die Selbstversorgung im Strombereich zu predigen, ist nicht seriös. Wir importieren heute vier Fünftel unserer Energie aus dem Ausland (Öl und Gas). Wir importieren diese Energieträger aus instabilen Weltregionen. Der Krieg im Irak ist ein Krieg um Öl. Wenn in den kommenden Jahren die Erdölreserven knapp werden, wird das Konfliktpotential weiter ansteigen. Schweden hat die Konsequenzen daraus gezogen und plant bis 2020 den Ausstieg aus dem Erdölzeitalter. Wenn wir also unsere Auslandabhängigkeit reduzieren wollen, dann bitte an der richtigen Stelle, im fossilen-atomaren Bereich. Wir täten damit auch etwas für Umwelt und Klima. Das Know How für andere nachhaltige Techniken ist längst vorhanden Leider fehlte bisher der politische Wille zu Veränderungen.

Jean-Noël REY, Nationalrat, 25. September 2007

©2006 | jn.rey@bluewin.ch | 1958 St-Léonard | tél: +41 (0)27 203 92 10 | fax: +41 (0)27 203 92 12