Die Ankündigung der Schliessung der Elektrolyse in Steg zeigt einmal mehr die unerbittliche Logik des Finanzkapitalismus, der nur auf die Börsenkurse der Aktien schaut und jede andere Erwägung ausser Acht lässt.
Diese Betriebsschliessung ist der Tribut, den wir für die zügellose Globalisierung der Wirtschaft bezahlen. Ganze Wertschöpfungsketten der Industrie werden mutwillig zerstört. Nicht nur Güter und Dienstleistungen, sondern auch Arbeitsplätze werden „ausgelagert“ - dorthin, wo die Rentabilität besonders hoch ist, weil menschenwürdige soziale und umweltverträgliche ökologische Standards fehlen.
Der Fall Alcan wirft ein grelles Licht auf die völlige Ratlosigkeit der zuständigen Behörden des Kantons Wallis in industriepolitischen Belangen. Sie haben zum Beispiel jede Initiative vermissen lassen, als das Unternehmen Alcan noch von einem staatlich sanktionierten Rabatt auf den Energiepreisen profitierte.
Dieses industriepolitische Fiasko erinnert uns an die Walliser Elektrizitätsgesellschaft (WEG), die auf Initiative von alt Staatsrat Hans Wyer ins Leben gerufen und letzthin wieder mit grossen Kosten für die öffentliche Hand rekapitalisiert worden sind, damit der Kanton Wallis die Trumpfkarte Energie in seiner Industriepolitik ausspielen könne! Heute müssen wir feststellen, dass die FMV in der Affäre Alcan gelinde gesagt äusserste Zurückhaltung an den Tag legen und es auf jeden Fall unterlassen haben, für die nötigen Energiereserven zu sorgen, um zur Erhaltung von Arbeitsplätzen beitragen bzw. gar deren Schaffung fördern zu können.
Gleichzeitig werden wir an die Herren Blocher und Ebner erinnert, zu deren Zeit als Aktionäre von Alusuisse das Elektrizitätswerk des Unternehmens an En Alpin verkauft wurde, an eine Gesellschaft, die, von EDF (Frankreich) und einer Baden-Württembergischen Unternehmung beherrscht und mittlerweile privatisiert, Energie lieber zu hohem Preis auf dem europäischen Markt verkauft als sie zu vernünftigem Preis an Alcan zu liefern!
Am Beispiel der Schliessung der Elektrolyse Steg ist auch die miserable Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaftsförderung des Kantons und derjenigen des Bundes offenkundig geworden.
Alcan ist wahrlich nicht nur ein Trauerspiel, sondern auch ein Schulbeispiel. 180 weitere Arbeitsplätze sind nun verloren gegangen. In den 90er Jahren zählte Alusuisse 2600 Arbeitsplätze, im September 2000, als das Unternehmen von Alcan übernommen wurde, waren es noch 1600, und jetzt, nach der Schliessung und den Restrukturierungen, werden es gerade mal noch 900 sein!
Arbeiterinnen und Arbeiter zahlen die Zeche für eine einseitige wirtschaftliche Entwicklung. Die Gewerkschaften werden ihre Pflicht tun, einen Sozialplan ausarbeiten und darauf hoffen, dass die eine oder andere Gruppierung noch ein paar Arbeitsplätze retten wird. Aber das reicht nicht. Es ist Zeit zu handeln.
Die Behörden und die Entscheidungsträger der Wirtschaft sollten das Projekt zur Schaffung eines Aluminium-Clusters endlich ernstnehmen. Dadurch könnten das Innovationspotenzial unserer kantonalen und nationalen Hochschulen, das Know-how von Alcan auf den internationalen Märkten und die oft unterschätzten Kapazitäten unserer kleinen und mittleren Unternehmen synergetisch genutzt werden. Es braucht wieder eine industrielle Dynamik, es braucht frisches Kapital, es braucht insgesamt Rahmenbedingungen, die zur Ansiedlung neuer Unternehmen ermutigen. Die bewährte Wertschöpfungskette, die Arbeitsplätze schafft und erhält, muss wiederhergestellt, aktiviert und ausgebaut werden. Nutzen wir unser über Jahrzehnte erarbeitetes Know-how!
Jean-Noël Rey, Nationalrat, 15. März 2006
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